Leider ist es immer wieder der Mensch, der nicht nur mit seinem Lebensraum wenig schonend umgeht. Er hat über in den letzten zweihundert Jahren gezielt u.A. mit züchterischen Maßnahmen in die Eigenschaften der Bienen eingegriffen. Das Ziel war und ist es bis heute, immer friedlichere Bienen zu bekommen, die auf den Waben sitzen bleiben, wenn der Imker den Stock öffnet und die so viel Honig wie möglich eintragen. Auch sollten sie bereits früh im Jahr große Brutnester anlegen, um bei Trachtbeginn bereits viele Flugbienen im Volk zu haben. Die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit sowie die Fähigkeit sich gegen kleine und große Feinde zu wehren, spielte eine geringe Rolle. Das wohl merkwürdigste Zuchtziel ist die "Schwarmträgheit". Wenn man das gesamte Volk als Einheit betrachtet (den Bien) und das Schwärmen als seine Vermehrung, dann entspricht das Zuchtziel der Schwarmträgheit die Unterbindung der natürlichen Vermehrung der Bienenvölker.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Mensch es mit den Bienen genauso gemacht hat, wie mit vielen anderen Nutztierrassen. Im Vordergrund steht oft nur der unternehmerische Profit und nicht der nachhaltige Gedanke zur Erhaltung der natürlichen Gleichgewichte.

 

Die bis vor ca. 100 Jahren in Nordeuropa heimische Unterart Apis mellifera mellifera (Die Dunkle Biene), ist weitestgehend verschwunden und wurde durch andere Arten, die hier ursprünglich nicht heimisch waren, ersetzt. So findet man in Deutschland heute hauptsächlich die Apis m. carnika (Kärnter Biene)  und Apis m. ligustica (Italienische Biene) oder die Hybrid-Rasse der Buckfastbienen.

 

Die auf das Klima nördlich der Alpen optimal angepasste dunkle Biene ist durch die Zuchtanstrengungen der Imker fast vollständig verschwunden. Sie kommt mit den klimatischen Bedingungen deutlich besser zurecht, kann mit sog. Kleckertrachten umgehen, überwintert mit deutlich weniger Bienen und braucht deshalb weniger Winterfutter und sie fliegt bereits bei niedrigeren Temperaturen aus. Aber sie ist wehrhaft und trägt weniger Honig ein, was den kommerziellen Imkern nicht so gefällt.

 

Das Ziel einer naturnahen artgerechteren Imkerei ist heute weniger, die für die Imkerei förderlichen Eigenschaften im Fokus zu haben, als vielmehr eine "standortangepasste" mit den Tracht- und Klimabedingungen, aber auch mit den Schädlingen gut klarkommende "Wald-und-Wiesen-Mischung". Trotzdem bemühen Doris und ich uns auch Dunkle Bienen zu halten, um das alte Erbgut zu bewahren.

 

Eine wunderbare Internetseite für einen achtsamen Umgang und einen naturnahen Blick auf die Bienen sind die "Bienen-Dialoge" von Sigrun Mittl.